Die Wirtschaftskrise als globale Verantworungskrise..
Das Führen von Großunternehmen überfordert die Fähigkeit der Manager, auch sozial verantwortlich zu Handeln.., mit schrecklichen Folgen.
Diese Wirtschaftskrise ist auch eine globale Verantwortungskrise und zeitgeschichtlich eine beispiellose Peinlichkeit für einen großen Teil unserer Eliten, deren Selbstdemontage wir gegenwärtig erleben. Es ist bitter anzusehen, aber es ist zugleich auch gut, dass die Öffentlichkeit vorgeführt bekommt, was für Menschen das sind, die wir vormals respektiert, bewundert oder gar gefeiert haben und denen wir in der Hinsicht vertraut haben, dass sie ihre Sache gut und kompetent machen. Jetzt fallen Leute, die ehemals als “Manager des Jahres” die Titelblätter der Wirtschaftsmagazine gekrönt haben, wie welkes Laub von ehemals “oben” herab. Sie erweisen sich als faulig und anfällig für die niedrigsten Instinkte, wie man es auch von dem gewöhnlichen Volk hier “unten” kennt.
Sie sind begabter in ihren Jobs als der Durchschnitt. Aber im übrigen und zu unserem Erschrecken sind sie moralisch nicht besser als Jemand, der wegen ein paar Liter Öl eine Pipeline beschädigt und dafür hinzunehmen bereit ist, dass ein ganzer Landstrich mit Öl verseucht wird. Hunderte Milliarden Privatvermögen anderer Leute wurden riskiert, um selbst ein paar Millionen zu verdienen. Anleger im großen Stil betrogen, oder Steuern hinterzogen obwohl man schon ein Millionenvermögen besitzt.
Soziale Verantwortung in steter Konkurrenz zum persönlichen Interesse..
Die Boni-Skandale und die zunehmende Aufklärung der Vorgänge im Geldgewerbe zeigen uns, dass diese Krise eigentlich nur eine wesentliche Ursache hat: Auf unserem Planeten gibt es zu viele Menschen, denen in Wirtschaft und Politik mehr Verantwortung zugefallen ist, als sie verkraften können, weil sie das menschliche Maß sprengt. Soziale Verantwortung und persönliche Interessen konkurrieren naturgemäß miteinander. Und wegen dieser Überforderung hat die soziale Verantwortung gegenüber den persönlichen Interessen der Manager zu oft den kürzeren gezogen. Einigen Führungskräften ist das klar geworden, auch wenn sie es nicht öffentlich zugeben und ihre Mitverantwortung klein reden.
Götterdämmerung unter den Eliten..
Und wenn man als Angehöriger einer “Elite” von der eigenen fehlbaren menschlichen Natur, von dem eigenen verantwortungslosen Verhalten, so tief gedemütigt worden ist und deshalb den Sessel räumen muss, dann kann man diesen Verlust an Reputation und Selbstachtung zwangsläufig nur durch einen letzten kaltschnäuzigen Akt der Bereicherung ausgleichen, wie uns das einige Boni-Banker in Deutschland, England und USA vorgeführt haben. Ein erboster US-Senator hatte diese Praxis mit der Empfehlung kommentiert: Diese Leute sollten sich wie ein Japaner mit einer tiefen Verbeugung entschuldigen und dann Harakiri begehen. Diese Wirtschaftsführer bevorzugten jedoch die Boni-Zahlungen und erwiesen sich damit als “allzu menschlich” in ihrem Verhalten. Denn anstelle den Harakiri, hätten sie auch den ehrbaren Verzicht als Alternative gehabt. Aber in dieser Situation ist den betreffenden Bankern die Ehre so wenig Wert gewesen wie einem Obdachlosen der die Mülltonnen ohne Scham vor der Öffentlichkeit nach Verwertbaren durchsucht. Für den Obdachlosen können wir jedoch Verständnis aufbringen. Für einen bisher gut bezahlten Banker oder Manager nicht.
Der entzauberte Blick auf “Die, da oben” erfüllt “Die, hier unten” nur noch mit Häme..
Jetzt erfüllt uns Wut, Abscheu und tiefe Verachtung für diese Leute, die sich ohne Scham vor den Augen der Menschen in Deutschland, Europa und USA als asozial bloßstellen. Das wird eine bittere Lehre sein, die die Menschen nicht so schnell vergessen werden. Auch jene, die nur mit wenig Vertrauen auf die Vorstandsetagen der Banken, Finanzinstitute und Großunternehmen geschaut haben, sind vom Ausmaß des “allzu menschlichen” das täglich in immer neuen Besetzungen und Variationen bekannt wird, überrascht. So hätte sich kaum jemand den Zustand der wirtschaftsführenden Gesellschaftsschicht vorgestellt. Der Habitus des korrekt gescheitelten Trägers teurer Anzüge mit randloser Brille und dem eloquenten fernsehwirksamen Auftreten ist zu einer Figur verkommen, die jedes Vertrauen verspielt hat, obwohl dies nicht in allen Fällen gerechtfertigt ist. Die schweren, dunklen Mercedes-Limousinen werden zum Symbol einer Gesellschaftsschicht, die im globalen Maßstab menschlich versagt hat. So sehr versagt, dass ein großer Teil der Menschheit in den nächsten Jahren schwer unter dem Verlust ihrer Einkommen und Ersparnisse leiden wird. Und in den Ländern der dritten Welt werden zusätzlich Millionen Menschen an Hunger sterben. Wenn wir jetzt nichts unternehmen, uns nicht in die Politik einmischen und uns für die Vorgänge im Detail interessieren, dann sind wir als Volk die nächsten, die sich das Urteil “Versager großen Stils” zu sein, verdient haben.
Wir haben mehr als nur Geld zu verlieren..
Verfasst von NETSUBJEKT